Spielgeschichte  ...

 

Sekunden, Minuten, Monate, Jahre, Jahrzehnte, Jahrtausende... Diese Zeitspannen sind den meisten Bewohnern der Großen Welt begrifflich ebenso geläufig wie die göttliche Schöpfungsgeschichte dieses Landes – und Kundige haben ähnliche Kenntnisse auch über die Kleine Welt, das Nachbarland der Großen Welt. Doch erschöpft sich die göttliche Schöpfung gewiss nicht in der Erschaffung zweier einfacher Welten.

 

Denn was ist mit dem Land, um das sich Gerüchte ranken wie die Pflanzen um die arkasürischen Bäume im Südwesten der Großen Welt? Was hat es damit auf sich, dass das Land im Volksmund zwar generell als Temporia bezeichnet, hin und wieder aber auch Emporien genannt wird?

 

Wie wenig doch bekannt ist über das unerreichbar erscheinende, kontinentale Eiland! Denn keine Handelsbeziehungen konnten bisher mit Temporia geknüpft werden, auch wenn unterschiedlichen Berichten nach Versuche dahingehend unternommen wurden. Eben diesen Berichten zufolge scheint es, als würde das Land selbst Kontakte zur Großen Welt zu verhindern wissen. Gerüchten nach soll das Land im Ewiglichen Meer zu finden sein, in einem Bereich des Ozeans also, dessen Besegelung lebensgefährlich ist. Noch dazu sollen die unvorstellbar gigantischsten, bedrohlichen Wesen gleichenden Klippen Temporia vorgelagert sein, an denen schon zahlreiche Seefahrtkundige einen bitteren, schmerzhaften Tod gefunden haben.

 

Unbelegbaren Geschichten erzählen jedoch auch davon, dass es Reisende aus unserer Welt gelungen sei, das unbekannte Land zu erreichen. Allerdings sei keiner von diesen jemals in die Große Welt zurückgekehrt. Die innere Widersprüchlichkeit dieser Kunde ist unbestreitbar, doch mögen emotionale Bindungen magischer Qualität von Familienangehörigen der Reisenden zu eben diesen eventuell als logische Rettungsanker dafür herangezogen werden. 

 

Weiteren märchenhaft anmutenden Erzählungen über das Land zufolge sollen vor Ort paradiesische Zustände für alle Rassen herrschen. Wer sich auf die Suche begebe, könne auf dem riesigen Eiland zu unendlichem Reichtum gelangen und sein Lebensglück in jeder Hinsicht finden. Die Namensdifferenz sei aus sprachlichen Problemen entstanden, wobei die Theorie vorherrscht, dass die Einwohner Temporias der Amtsprache der Großen Welt mächtig seien.

 

In diesen Angaben erschöpfen sich bisher die in unserem Land vorherrschenden Kenntnisse über die Insel im Ewiglichen Meer. Bisher. Auf völlig ungeklärtem Wege gelangte erst kürzlich eine kryptische, wenn auch sehr interessante Botschaft in unsere Gefilde, deren Herkunft zunächst bezweifelt wurde. Doch Schriftkundige haben schnell erkannt, dass die Handschriftform der Nachricht nicht von unserer Welt ist. Sprachlich liegt sie im Bereich unseres Verständnisses, auch wenn einige Formulierungen befremdlich erscheinen. Wir gehen davon aus, dass der Absender derjenige ist, der zu sein er sich ausgibt. Es erscheint auch ungefährlich, die Nachricht in der Öffentlichkeit zu verbreiten, denn wer, wenn nicht ausschließlich risikofreudige und abenteuerlustige Lebensmüde, werden auf den im Schreiben erhaltenen Appell anspringen – und solcher Art Gestalten sind der Zukunftsfähigkeit der Großen Welt samt seinem Nachbarn ohnehin abträglich und vermutlich im fernen Unbekannten besser aufgehoben.